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Qualitätssicherung von Naturfasern als Argument für den regionalen Anbau

Dr. M-L- Rottmann-Meyer,
Landwirtschaftskammer Hannover


Das Interesse an der Verwendung von Naturfasern in technischen Produkten, wie Baustoffen, Papier/Zellulose, Geotextilien und vor allem Verbund- und Konstruktionswerkstoffen ist in den vergangenen Jahren in der Industrie und der Forschung kontinuierlich gewachsen. Interessante Projekte im Bereich der Produktentwicklung sowie erste serienreife Bauteile zeigen das hohe Innovationspotential der Naturfaserwerkstoffe.

Die Landwirtschaft hat ihrerseits großes Interesse neue Absatzmärkte für heimische Rohstoffe zu erschließen und wirtschaftliche Anbaualternativen zur Nahrungsproduktion langfristig zu etablieren. Mittlerweile werden auf über 500.000 ha Ackerfläche in Deutschland nachwachsende Rohstoffe zur stofflichen Nutzung oder zur Energiegewinnung angebaut. Die Faserpflanzen haben mit ca. 4000 ha noch einen geringen Anbauumfang.

Hanf, Flachs, Öllein (Strohnutzung) und Nessel sind qualitativ hochwertige Faserlieferanten, die in Deutschland anbaufähig sind und mit Importfasern wie Jute, Sisal und Ramie konkurrieren. Unter norddeutschen Klima- und Standortbedingungen zeigten bisher Hanf und Öllein die besten Anbauergebnisse.

In Niedersachsen führen die Landwirtschaftskammern Weser-Ems und Hannover seit vier Jahren pflanzenbauliche und produktionstechnische Versuche zum Hanfanbau durch. Die Ernte- und Aufbereitungstests mit Hanfstroh haben gezeigt, daß deutliche Einflüsse auf die Faserqualität von der Sortenwahl und Produktionstechnik (z.B. Erntezeitpunkte, Grad der Röste, Ernte- und Aufbereitungstechnik) ausgehen (Ergänzung Vortrag Herr Martens, LWK Weser-Ems, Hannover). Deutliche Auswirkungen zeigten sich auch auf den Grad der Entholzung, die Faserausbeute im Entholzungsprozeß und die Trocknungs- und Röstgeschwindigkeit. Um die Rohstoffverluste auf dem Feld und im Aufbereitungsverfahren zu minimieren und ein für die Landwirtschaft praktikables und ökonomisch sinnvolles Produktionsverfahren zu entwickeln ist eine Qualitätsabstimmung mit den Faserverwendern dringend erforderlich.

Voraussetzungen für die Einbindung heimischer Rohstoffe

Aus Sicht der Industrie:
  • kontinuierliche Rohstoffverfügbarkeit in ausreichender Menge,
  • Liefersicherheit,
  • Erfüllung der Qualitätsanforderungen,
  • Ökonomische Konkurrenzfähigkeit,
  • Vorhandensein der technischen und logistischen Infrastruktur.
Aus Sicht der Landwirtschaft
  • Anbau- und Abnahmeverträge (möglichst mehrjährig),
  • Aufbau einer Produktionskette (Anbau, Aufbereitung, Verarbeitung),
  • Wirtschaftlichkeit,
  • geeignete Rahmenbedingungen (Problematik: EU-Vorgaben, Flächenprämien).
Konzept zur Einbindung heimischer Rohstoffe Der Aufbau einer Qualitätsfasererzeugung für spezielle Anwendungsbereiche könnte den deutschen Landwirten die Chance geben sich vom stark wechselnden Rohstoffangebot (Qualität, Menge, Preis) des Weltmarktes abzuheben. Voraussetzung hierfür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Anbauern, Faseraufbereitern und Weiterverarbeitern/Endproduktherstellern.

Durch die Optimierung der gesamten Produktionskette ergeben sich ökonomische und/oder qualitative Vorteile für die beteiligten Gruppen.

Ziel:
Qualitätssicherung bei der Rohstofferzeugung durch ein abgestimmtes Qualitätsmanagement:
  • Festlegung von objektiv prüfbaren Qualitätsparametern
  • Anbauverträge mit Anbauvorgaben (z.B. Sortenwahl, Erntetechnik etc.)
  • Qualitätskontrollen.
Daraus ergeben sich folgende Vorteile für die Industrie:
  • Kontinuierliche Verfügbarkeit von definierten, optimierten Rohstoffen
  • homogene, reproduzierbare Faserqualitäten, dadurch Vorteile bei der Weiterverarbeitung und Endproduktherstellung
  • unmittelbare Möglichkeit der Einflußnahme bei Produktionsumstellungen
  • nachvollziehbarer Herkunftsnachweis (Zertifizierung)
  • Markt- und Preissicherheit
  • just in time - Lieferung / kurze Transportwege
  • umweltfreundliche, nicht mit Schadstoffen belastete Rohstoffe.
Vorteile für die Landwirte:
  • gesicherte Abnahmeverträge
  • objektive Abrechnungsbasis / Wirtschaftlichkeit
  • größere Produktionssicherheit durch Anbauvorgaben
  • längerfristige Anbauplanung möglich
  • Möglichkeit zur Erweiterung der Fruchtfolge / positive Fruchtfolgewirkung.
Vorteile aus volkswirtschaftlicher Sicht:
  • Schutz fossiler Ressourcen
  • Anbau und Verarbeitung in der Region (Stärkung der regionalen Wirtschaft)
  • umweltschonende Naturfaserproduktion (Boden-/Wasserschutz).
In der Landwirtschaft gibt es zahlreiche, erfolgreiche Beispiele für eine enge Kooperation mit der Industrie zur Erzeugung sehr spezieller Produktqualitäten im Vertragsanbau (z. B. bei Industriekartoffeln, Zuckerrüben, Braugerste, Leinöl, Eruca-Raps). Auch für die heimische Naturfasererzeugung könnte dieses Organisationskonzept entscheidende Vorteile bringen und die Konkurrenzfähigkeit gegenüber Importfasern verbessern.

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