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Die technischen und ökonomischen Voraussetzungen der Halbzeuge mit einheimischen Pflanzenfasern aus der Sicht des Erstverarbeiters und Filzherstellers



Im Kraftfahrzeugbau ist ein stetig wachsender Einsatz von Naturfasern für Trägerwerkstoffe zu verzeichnen. In der Vergangenheit wurden hauptsächlich Jutefasern eingesetzt. Die guten Fasereigenschaften und die Einflußnahme auf die Qualität vom Anbau bis zum Endprodukt haben bei der Autoindustrie ein großes Interesse an einheimischen Fasern wie Hanf geweckt.

Die Anbaubeihilfen der EU von 1996 bis 2000 haben das Interesse der Landwirtschaft, den Hanfanbau neu zu betreiben, auch in unserer Region geweckt. Mit der Anbauzulassung haben die Landwirtschaftskammern Hannover und Oldenburg begonnen, Anbau-, Düngung- und Ernteversuche einzurichten. Die Faserqualität bestimmt nicht nur die Einsatzmöglichkeit, sondern auch das ökonomische Ergebnis beim Landwirt und dem Erstverarbeiter. Wesentliche Einflußgrößen sind Erntezeitpunkt und Witterungsverlauf bei der Feldröste.
Die Trennung der Faser von den übrigen Pflanzenteilen, der Strohaufschluß, ist für die Weiterverwendung der Faser ebenso bedeutungsvoll. Durch das große Interesse an einheimischen Bastfasern zur Herstellung von naturfaserverstärktem Polyurethan (NFPU) als Trägerwerkstoff für Kfz-Innenausstattungen, wurden Techniken aus dem Flachsbereich zur Hanf - Fasergewinnung modifiziert. Die Auflösung der Faserbündel, die Sauberkeit (Schäbenanteil unter 2%) und gleichmäßige Röste und Faserlänge sind die entscheidenden Qualitätsmerkmale zur weiteren Verwendung der Fasern. Mit der im Jahr 2000 neu errichteten Anlage ist die AGRO-DIENST GmbH am Standort Neerstedt als Erstverarbeiter in der Lage, Hanffasern in den geforderten Qualitäten zu produzieren.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Strohaufschluß betreibt AGRO - DIENST auch seit Sommer 2000 eine Anlage zur Herstellung von Nadelfilzen. Die Qualitätsanforderungen für Naturfaserfilze, als Ausgangsprodukt für NFPU- Bauteile im Fahrzeugbau, sind ständig gestiegen. Für einfache flächige Bauteile mit schwachen Konturen ist die Gleichmäßigkeit in Stärke und Flächengewicht schon ausreichend und einfach zu garantieren. Die Forderungen der Fahrzeugindustrie, immer leichter werdende Bauteile mit dreidimensionalen Formen zu verwenden, sind nur durch eine Prozeß- und Qualitätsoptimierung lösbar. Besonders wichtig für den jeweiligen Einsatzzweck ist die Auswahl der einzelnen Faserkomponenten, das Mischen und die Vernadelung. Die interne und externe Analyse der Fasern vom Anbau bis zur Herstellung der Filzmatten, sind wesentlicher Bestandteil unseres betrieblichen Qualitäts- Managements.
In einem gemeinsamen Verbundforschungsprojekt mit dem Projektpartner Dräxlmaier Group, als Zulieferer der Autoindustrie und AGRO-DIENST GmbH, als Hersteller von Nadelfilzen, sollen ultraleichte Bauteile mit hohen technischen Anforderungen für die Serienproduktion entwickelt werden. Die Projektpartner werden durch die Invent GmbH, Braunschweig und das Faserinstitut Bremen e.V. fachlich unterstützt.



Heinz-Georg Goedecke
Geschäftsführer der AGRO-DIENST GmbH
Bahnhofstraße 82
26197 Großenkneten

phone: +49-4487-92850
e-mail: info@agro-dienst.de

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