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Neue Ansätze für Design und Ökologie in der Möbelindustrie



Das klassische ökologische Möbel verarbeitet Massivholz. Die Holzoberfläche wird nicht mit Lacken versiegelt, sondern offenporig belassen. Die Philosophie dahinter: Holz vermittelt im Wohnraum das Gefühl von Behaglichkeit und Lebensqualität, und damit das Holzmöbel ‚Natur-Feeling' ins Haus bringen kann, darf es nur materialadadäquat verarbeitet sein. Durch Materialprüfungen streng kontrolliert, gewährleisten solche ökologischen Möbel gleichzeitig höchste gesundheitliche Verträglichkeit. Für das Design dieser Möbel sind durch die starke Focusierung auf primäre natürliche Materialien allerdings Grenzen gesetzt. Zwar hat sich das ÖkoMöbel mitlerweile von der rundlich-rustikalen Formensprache befreit und ist deutlich erschlankt, Metallverbindungen setzen modische Akzente. Dennoch: Leichtbauweise ist mit diesen Materialien kaum möglich, und die scheinbar unzähligen formalen Möglichkeiten, die MDF-Platten oder gar Kunststoffe bieten, sind für Designer meist viel verlockender.

Zumal es bis jetzt wenig Notwendigkeit gibt, umzudenken. Es sieht derzeit nicht danach aus, als ob der Gesetzgeber die Weichen anders stellt z.B. durch eine entsprechende Rücknahme- und Entsorgungsverordnung wie bei Elektrogeräten oder Autos. Es besteht kein akuter Zwang, bei den verwendeten Materialien jetzt schon auf Recyclebarkeit, umweltschonende Verwertung oder positivere Energie- und Ökobilanz zu achten, wenn dies nicht die kostengünstigste Variante darstellt oder einen großen PR-Vorteil bedeutet. Der Marktanteil von Ökomöbeln hat sich seit Jahren bei ca. 8% eingependelt, Tendenz eher sinkend als steigend. Daher ist es für viele ÖkoMöbel-Hersteller überlebensnotwendig, parallel auf konventionellen Schienen zu fahren und Spanplatten, Kunststoffe u.ä. einzusetzen. Werden ökologische Möbel in der Konsequenz immer unattraktiver sowohl für Hersteller als auch für Designer? Sind sie nur etwas für ‚Überzeugungstäter'?

Der Europäische Verband ökologischer Einrichtungshäuser, Vorreiter in Sachen umweltverträgliches Möbel-Design, sieht es positiver: Gerade jetzt könnte es für Gestalter so spannend werden wie schon lange nicht mehr. Die neuen Konstruktionswerkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen eröffnen eine Fülle von neuen Möglichkeiten. Thermoplastisch formbare Granulate aus nachwachsenden Rohstoffen - das sog. Flüssigholz - geben Designern die Chance, nicht nur die Kunststoff-Formen zu immitieren, sondern ganz neue formale Ideen zu entwickeln - und das ohne Abstriche bei der ökologischen Bewertung. Zugespitzt formuliert: in Zukunft könnte man neben dem klassischen Massivholz-Look ein Design fördern, dem man die Ökologie im herkömmlichen Verständnis gar nicht mehr ansieht. Öko ohne Naturlook- so ließen sich für den ökologisch orientierten Möbelhandel potentielle Kunden hinzugewinnen und gleichzeitig attraktive konventionelle Produkte auf Umweltverträglichkeit umstellen. Jetzt gilt es, frühzeitig anzusetzen und schon die angehenden Designer mit den neuen Materialien vertraut zu machen. Dafür bedarf es eines Mittlers am Markt.

Der Verband ökologischer Einrichtungshäuser hat daher seine jährliche Ausstellung zum ökologischen Möbeldesign thematisch erweitert. In den vergangenen Jahren wurde auf ca. 500 qm parallel zur Internationalen Möbelmesse in Köln gezeigt, wie modern Gestalten mit Massivholz sein kann. Dafür wurden Fachhochschulen mit Möbelherstellern des Verbandes zusammengeführt, um gemeinsam innovative Möbel zu entwerfen, die später für den Markt verwirklicht werden können. Der Januar 2002 wird Projekte präsentieren, bei denen die Hersteller der neuen Pflanzenfaserverbundwerkstoffe aktiv in die Planung und Ausführung der Möbel mit einbezogen sind. So werden z.B. Formteile für Polstermöbel, Verbindungselemente im Küchenbereich und Trägerplatten für Holzfuniere aus dem sog. "Flüssigholz" erprobt. Die Idee dahinter ist, umsetzbare Visionen für die Möbelindustrie zu zeigen. In größerem Stile einsteigen wird diese in das Thema jedoch erst, wenn die neuen Werkstoffe bei gleicher oder besserer Qualität nachweisbar am Ende zu günstigeren Preisen führen.



Margit Mederer
ProÖko Servicegesellschaft ökologischer Einrichtungshäuser mbH
Subbelrather Straße 24
50823 Köln

phone: +49-221-56968-20
fax: +49-221-56968-21
e-mail: info@pro-oeko.com

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