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Pressenotizen - Neue Werkstoffe aus der Natur INVENT in Braunschweig: Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe BRAUNSCHWEIG. Niedersachsen könnte in den nächsten Jahren zum Vorreiter bei der Nutzung nachwachsender Rohstoffe werden, und in Braunschweig werden die Weichen dafür gestellt. Hier arbeiten nicht nur führende Forscher, sondern hier gibt e auch schon erfolgreiche Unternehmensgründungen auf diesem zukunftsträchtigen Gebiet. Dabei geht es um Verbundwerkstoffe aus Naturfasern wie Flachs oder Hanf und Bio-Kunststoffen, die etwa aus Stärke oder Zucker gewonnen werden. Es sind High-Tech-Stoffe voll aus der Natur. Sie sind besonders leicht und dennoch formstabil - und sie können problemlos recycelt, biologisch voll abgebaut (etwa kompostiert) oder CO2-neutral verbrannt werden. Das sind für Professor Holger Hanselka die entscheidenden Vorteile von Bio-Faserverbundwerkstoffen. Gegenüber herkömmlichen Kunststoffen, die in ihren Eigenschaften über Jahrzehnte hinweg perfektioniert worden seien, gebe es sicher noch "Optimierungsbedarf". Andererseits sei man auf gutem Wege, durch Verbesserung der Prozeßtechnik diese neuen Werkstoffe auch wirtschaftlich zu machen. Das Institut für Strukturmechanik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig unter Leitung von Professor Elmar Breitbach ist in der Forschung führend und arbeitet in einem Demonstrationszentrum für Faserverbundwerkstoffe auch ganz anwendungsnah mit der Wirtschaft zusammen. Dort wurden beispielsweise schon Türinnenverkleidungen für Autos oder Sitzschalen für Bürostühle aus Bio-Stoffen entwickelt. Breitbach hat vor zwei Jahren mit seinen beiden Mitarbeitern Dr. Axel Herrmann und Prof. Hanselka auch die Firma INVENT GmbH gegründet. Die wiederum hat als Startprojekt gemeinsam mit dem DLR und der Göttinger Technologieberatungsfirma SuS für das niedersächsische Landwirtschaftsministerium eine Studie erstellt, in der in einem Netzwerk erfaßt wurde, wer sich wo in Deutschland mit nachwachsenden Rohstoffen befaßt. Dieser gesammelte Sachverstand soll nun die Basis für konkrete Projekte sein, berichtet Hanselka, der inzwischen Professor an der Universität Magdeburg ist. Die beiden Unternehmen in Braunschweig und Göttingen sind jetzt zum Kompetenzzentrum ernannt worden und sollen in den nächsten drei Jahren mit finanzieller Landeshilfe Projekte entwickeln und dem Ministerium zwecks Förderung empfehlen. "Wir wollen als Vermittler und Koordinator mit Industrie, Forschung, Landwirtschaft und Behörden eng zusammenarbeiten", erläutert Hanselka. Man arbeite dem Land zu, das seine Fördergelder optimal einsetzen möchte. Dabei soll der Landes-Fördertopf für nachwachsende Rohstoffe von eher bescheidenen sechs Millionen DM im Jahr, der bisher mehr auf energetische Nutzungen (etwa Rapsdiesel) konzentriert war, künftig stärker auf die neuen Bio-Werkstoffe ausgerichtet sein. Auch das sei ein Ergebnis der Braunschweiger Studie, stellt Hanselka fest. Bio-Faserverbundwerkstoffe könnten am besten vorangebracht werden, wenn zunächst Nischenmärkte besetzt werden, meint Hanselka. Da sollte es um Produkte gehen, die direkt am Verbraucher sind und eine hohe Öko-Akzeptanz haben. Als Beispiele nennt er Kinderspielzeug, Möbel oder Sportartikel wie Skier oder Tennisschläger. Die meisten dieser Produkte waren schließlich einst aus Holz, sind jetzt aus Kunststoff und könnten nun wieder zurück zur Natur kommen. Grundsätzlich seien für die neuen Bio-Werkstoffe alle Naturfasern geeignet, die in der Textilindustrie genutzt werden, beschreibt Hanselka das Potential. Für niedersächsische Böden sieht er die größten Anbau-Chancen beim Hanf, im Süden Deutschlands eher beim Faserlein (Flachs). Insgesamt können der Landwirtschaft neue Absatzmärkte eröffnet werden. Daß die Industrie mitzieht, dafür wollen die Braunschweiger Experten sorgen. Dazu sollen auch Kongresse und Tagungen beitragen, die beispielsweise zur Weltausstellung im Jahr 2000 (vielleicht in Wolfsburg) organisiert werden. Mehrere neue Projekte seien bereits angelaufen, berichtet Hanselka. Mit dem Chemiekonzern Henkel wolle man beispielsweise einen preiswerten und umweltverträglichen Verbundwerkstoff entwickeln, der die vielfältig genutzten duroplastischen Kunststoffe ersetzen soll. Nach der Anschubfinanzierung durch das Landwirtschaftsministerium soll sich das Kompetenzzentrum selbst tragen. Hanselka: "Wir müssen uns dann frei am Markt als Dienstleister für die Industrie behaupten." INVENT hat aber noch ein zweites und derzeit viel stärkeres Standbein, berichtet Geschäftsführer Henning Wichmann. Bisher wurden rund 60 Projekte im Bereich der "klassischen" Faserverbundwerkstoffe (glas- und kohlenstoffverstärkt) bearbeitet. Das Spektrum reicht von der Antriebswelle für einen PKW bis zur Frontverkleidung des Transrapid. Inzwischen werden schon elf feste Mitarbeiter beschäftigt - das ist für ein gerade zwei Jahre altes Unternehmen beachtlich. |
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